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Politischer Frühshoppen fährt zur Veranstaltung mit Esther Bejarano und der Microphone Mafia

Sonntag den 08.03.2020 in der Friedenskirche in Essen Steele. Die Pfarrerin begrüßt die Anwesenden mit dem Satz: „Es fühlt sich an wie Weihnachten, so voll wie heute ist die Kirche nur noch an Heilig Abend.“ Aber die ca. 400 Gäste waren Sonntag nicht da, um eine Messe zu feiern, sondern sie wollten alle die 95-jährige Esther Bejarano mit der Band Microphone Mafia treffen. Sie erzählte vom KZ Ausschwitz-Birkenau. Dort spielte sie im Mädchenorchester und vom Glück eine viertel Jüdin zu sein, dadurch konnte sie von Ausschwitz nach KZ Ravensbrück wechseln. Sie erzählt weiter von einem Marsch mit den KZ Aufsehern, kurz vor Ende des Krieges und dann von der Befreiung durch die Amerikaner.

Während sie erzählte war es in der Kirche so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Sie sagt selber, „Ich hatte sehr großes Glück, dass in dem Block, in dem ich übernachtete, eines Abends Frau Tschaikowska, eine polnische Musiklehrerin, nach Frauen suchte, die ein Instrument spielen konnten. Die SS befahl ihr, ein Mädchenorchester aufzustellen. Ich meldete mich, sagte, dass ich Klavier spielen könne. Ein Klavier haben wir hier nicht, sagte Frau Tschaikowska. Wenn du Akkordeon spielen kannst, werde ich dich prüfen. Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der Hand. Ich musste alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen. Ich sagte ihr, dass ich auch Akkordeon spielen könne. Sie befahl mir, den deutschen Schlager Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami zu spielen. Ich kannte diesen Schlager, bat sie um ein paar Minuten Geduld, um mich wieder einzuspielen. Es war wie ein Wunder. Ich spielte den Schlager sogar mit Akkordbegleitung und wurde gemeinsam mit zwei Freundinnen in das Orchester aufgenommen.“

Sie beschreibt weiter, „aber es kam noch schlimmer. Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische Menschen aus allen Teilen Europas saßen, die auf den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein. Das war die Taktik der Nazis. Sie wollten, dass all die Menschen ohne Kampf in den Tod gehen. Wir aber wussten, wohin sie fuhren. Mit Tränen in den Augen spielten wir. Wir hätten uns nicht dagegen wehren können, denn hinter uns standen die SS-Schergen mit ihren Gewehren.“

Normalerweise endet es mit einem Vortrag der Zeitzeugen, nicht so bei Esther Bejarano. Sie gab anschließend noch ein Konzert mit der nächsten Generation.

Brandaktuell ruft sie heute mit ihren Liedern zum Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Faschismus auf. Sie vermittelt mit ihren 95-Jahren eine Energie und ist unermüdlich in ihrem Wunsch nach Frieden und Völkerverständigung. Es war ein großartiger Nachmittag, der das Team von CEC-Connect bestärkt hat weiteraufzustehen, laut zu sein und das Erbe weiterzutragen, sich einzusetzen und den Protest auch auf die Straße zu tragen.

Danke Esther Bejarano und Microphone Mafia für einen tollen Sonntagnachmittag.

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