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Stolpersteine in Kamp-Lintfort

Am 9.11.2019 haben wir Thea und Rosa mit Ihren Eltern Walter und Elisabeth Else Cahn sowie ihrer Tante Pia Philippine Eichwald gedacht, die 1941 nach Riga depotiert wurden.

Neben dem putzen der Stolpersteine wurde eine Rede über die Ereignisse von 1938 und 1941 gehalten.

„1988 erinnert sich Edwald Niederholz gegenüber dem Lokalpresse: Am 10.November 1938 in Kamp „gegen sieben Uhr ging ich an diesem Morgen mit mehreren Schulkameraden zur Kamper Kirche in die Schulmesse. Als wir in die Nähe des Pfarrheimes kamen, sahen wir im Licht der Straßenlaternen zwei Männer in schwarzen Uniform, die mit ihren Stiefelabsätzen dicke Kieselsteine aus dem Bürgersteig am Pfarrheim lösten. Mit den Steinen auf dem Arm liefen sie zum schräg gegenüberliegenden Geschäftshaus des Juden Walter Cahn. Sie warfen die Schaufensterscheibe ein und verschwanden im Dunkeln Richtung Kamper Wald. Wir verstanden den Vorgang nicht, bekamen Angst und liefen zur Kirche. Nach der Schulmesse gingen wir zum Haus von Walter Cahn. Er stand vor der Haustüre, betrachtet den Schaden und schüttelte ungläubig seinen Kopf. Am anderen Morgen, als wir wieder an dem Haus vorbeikamen, lag das Inventar des Geschäftes auf der Straße: eine Nähmaschine, Stoffe, Wolle. Die Schaufenster wurden dann von einem Schreiner mit Brettern zugenagelt und mit der Aufschrift „Für immer geschlossen“ versehen.

Am 12.12.1941 schrieb der Hauptlehrer Theodor Kelders, wohnhaft am Abteiplatz 19 per Feldpost seinem Neffen: „Am Mittwoch, den 10 des Monats, ist der Jude Cahn aus Camp mit seinem Anhang nach Riga beordert worden. Wie ich höre, ist unser Kreis jetzt judendrei“.

Die Familie Cahn und Frau Eichenwald wurden am 10. Dezember 1941 mit dem LKW nach Krefeld gebracht. Dort startete ein mehrtätiger Transport über Düsseldorf-Derendorf nach Riga. Insgesamt wurden 1007 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner aus den verschieden umliegenden Städten wie Düsseldorf, Duisburg und vielen kleinere Ortschaften nach Riga deportiert.

Die Familie besaß noch 30 Reichsmark, die laut Eintrag der Deportationsliste eingezogen worden. Walter Cahns letzte Berufsbezeichnung war Tiefbauarbeiter, dies deutet auf eine zwangsweise Tätigkeit hin.

Thea die am 17.Januar 1925 geboren wurde gilt in Riga als verschollen.

Walter Cahn wurde im März 1942 im Lager Salaspils umgebracht.

Else Cahn geborene Eichwald wurde mit Tochter Rosa geboren am 29.Oktober 1933 1944 nach Stutthof (nähe Danzig) verschleppt wo beide am 8. Januar 1945 umkamen.“

 

Thea 1931 mit 6 Jahren mit ihrer Schulklasse. 1941 mit 16 Jahren wurde sie nach Riga in depotiert und gilt seit dem Tag als verschollen. 

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